DD on DD’s wheel – Digging deep on DD’s wheel

Eine ausgedehnte Tour mit DD war schon länger angedacht und an diesem sehr sommerlichen Samstag sollte sie endlich in die Tat umgesetzt werden. Das Sonnenfiasko des vergangenen Donnerstags hatte mich dazu bewogen, meinen Teint mittels mineralischem Sonnenschutz erfolgreich mit meinem weißen Outfit abzustimmen. Dementsprechend selbstzufrieden fand ich mich „pünktlich“ um 10:05 Uhr an der Brücke ein. DD und FM, von dessen Anwesenheit ich mir eine zunächst mäßigende Wirkung versprach, warteten schon.
Die „Marginal Gains“-Philosophie befolgend, hatte ich die Grundlagen bereits am Vorabend in Form einer bewährten „All-you-can-eat“-Diät auf Einladung von FM und FW, einer rituellen Reinigung der Kette und einer weiteren Iteration in der Suche nach der perfekten Position der Pedalplatten gelegt. Trotzdem hatte ich großspurig angekündigt hinsichtlich meiner Sehnenprobleme auf meinen Körper zu hören, es nicht zu übertreiben und früh abzubiegen.
Dass dieser gute Vorsatz mit dem Anstieg von Waldprechtsweier nach Freiolsheim quasi unvereinbar war, hielt mich nicht davon ab, dort den Puls schon einmal hochzutreiben. Am Knöchel war nichts zu spüren und so ließ ich mich dazu hinreißen, doch länger dabeizubleiben. DD versicherte mir glaubhaft, dass das Tempo später aber entspannter sein würde, ja geradezu müsste.
FM verabschiedete sich schließlich vor der roten Lache und tatsächlich bewegte sich DD während dieses Anstiegs in seinem Rekombereich, sodass ich einigermaßen ungeschoren in seiner Begleitung den Gipfel erreichte. Davon beflügelt, fragte ich DD zaghaft, was noch so auf seinem Plan stünde und wurde nicht enttäuscht: Kaltenbronn. Ich ließ verlauten, dass ich dabei wäre, vorher aber noch dringend Sonnencreme auftreiben müsste.
Folgerichtig investierte ich in der nächsten Apotheke per Kartenzahlung ein halbes Monatsgehalt in eine Flasche mineralischen Sonnenschutz für Kinder (LSF 50+). Vermutlich war dessen Anwendung zwar ebenso ungesund wie Sonnenbrand selbst. Das hinderte mich jedoch nicht an der unmittelbaren und großzügigen Anwendung, die mich in eine wandelnde Fliegenfalle verwandelte. Zumindest war meine Hautfarbe nun wieder mit meinem Outfit konform.
Vor dem Anstieg nach Kaltenbronn benötigte ich eine Pinkelpause, um mich körperlich und mental so weit zu erleichtern, dass ich dazu in der Lage sein würde, Kaltenbronn zu erklimmen. Unglücklicherweise fuhr just während der Pause ein erstaunlich fit wirkender Radrennfahrer von Radsport-Rhein-Neckar an uns vorbei und machte sich ebenfalls auf den Weg nach zum Gipfel. DD merkte diesen schicksalhaften Zufall noch an, weitere Worte waren jedoch überflüssig. Es stand nicht zur Debatte, dass dieser Fahrer lange vor uns bleiben würde und übermütig führte ich uns in den Anstieg hinein. Nach kurzer Zeit war die Beute eingeholt und überholt. DD entschied sich daraufhin seinen Rekombereich zu verlassen und übernahm die Tempoarbeit. Auf der Höhe des Schwimmbades strich unser Begleiter schließlich die Segel und ich zog kurz in Erwägung, es ihm gleichzutun. Im Zuge eines beispiellosen Selbstbetruges hatte ich mir nämlich Hoffnungen gemacht, dass DD sein Tempo nun etwas humaner gestalten würde.
Dies war nicht der Fall und während ich keuchend an seinem Hinterrad hing, begannen in meinem Kopf die britischen Eurosport-Dummschwätzer das geschehen zu kommentieren. Das lief in etwa so ab: „Oh, we see DD setting a relentless pace at the front. Absolutely remarkable!“ Sean Kelly erwiderte mit seinem irischem Akzent: „Yeah, that’s true. JH seems quite suffering a little bit and his visibly digging deep here. He seems to be all over the road. I think we could see JH cracking today.“ Selten waren Sean Kellys Kommentare so zutreffend. Während DD, in erster Position fahrend, grazil und scheinbar ohne Mühe das Tempo machte, befand sich dieser weiß eingeschmierte Hampelmann mit Lauchgestalt an seinem Hinterrad kurz vor dem Kollaps. Der Schweiß lief in Strömen, der Mund stand sperrangelweit offen und das Keuchen hätte jeden Veterinär zu einer Notschlachtung veranlasst.
Schließlich presste ich hervor, dass ich mausetot sei und DD drosselte das Tempo genau so weit, dass ich absolut an der Schmerzgrenze dranbleiben konnte. Ich war heilfroh, als wir das Steilstück bewältigt hatten und DD sich damit zufrieden gab, dass sich unser anfänglicher Begleiter noch irgendwo viel weiter unten im Anstieg alleine schinden musste.
Es war von Vornherein klar gewesen, dass diese Tour an DD’s Seite nicht ohne Leiden über die Bühne gehen würde. Perverserweise hatte ich dieses Leiden geradezu herbeigesehnt. Alleine eiere ich ja doch nur in der Gegend herum und gehe nicht an die Schmerzgrenze. Ich bin DD dankbar, dass er das Tempo genau an meiner Schmerzgrenze entlangführte und ich in Form seines Hinterrades einen schönen Bezugspunkt hatte.
Der anschließende Rückweg durch das Enztal verlief geradezu gesittet. Aber das Eyachtal, das DD noch mitnehmen wollte, war mir entschieden zu hart. Mit einer weiteren Schicht Sonnencreme präpariert, trat ich also gemütlich die Heimfahrt über die Schwanner Warte an. Fazit: „What a day, what a ride, what a cleat setup!“

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